(überarbeitet und aufgestellt von der Interessengemeinschaft Heimat und Geschichte, Ulrich Muhr, September 2022)
Illerkirchberg ist eine sehr junge Gemeinde und wurde im Jahr 2022 50 Jahre alt. Denn erst am 1. April 1972 schlossen sich im Zuge der damaligen Gemeindegebietsreform die einstmals selbständigen Gemeinden Unterkirchberg und Oberkirchberg zu einer Einheitsgemeinde zusammen. Illerkirchberg ist seither Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Kirchberg-Weihungstal, zu dem – neben Illerkirchberg – auch die Nachbargemeinden Hüttisheim, Schnürpflingen und Staig gehören.
Funde von neolithischen Tonscherben, eines Steinbeils und Grabfunde aus der Urnenfelderzeit (ca. 1200 v. Chr.) zeugen von der frühen Besiedelung. Zur Zeit des römischen Reichs stand am nördlichen Ortsrand von Unterkirchberg ein Kastell aus claudischer Zeit (ca. 50 n. Chr.). Alemannische Reihengräber belegen die Besiedelung im frühen Mittelalter.
Erste schriftliche Belege stammen aus dem Jahr 1087 von der Grafschaft Kirchberg, die ihren Ursprung in einer der ehemaligen Burgen der beiden Ortsteile Unter- oder Oberkirchberg hatte. Die sehr alte und bedeutende Grafschaft umfasste grob die Gebiete, die zwischen Iller und Donau liegen, von der Illermündung bis auf die Höhe von Memmingen bzw. Zwiefaltendorf.
Die Grafen Hartmann und Otto stifteten 1093 das Kloster Wiblingen. Dem Geschlecht, das häufig am Stauferhof erwähnt wird, entstammen die Minnesänger Konrad (1255 - 1286) und sein Bruder Bruno, Bischof von Brixen (1250 - 1288), der Gründer von Bruneck.
Erbteilungen und Verleihungen zerstückelten seit dem 13. Jahrhundert die weit ausgedehnte Grafschaft. Nach vielfachem Herrschaftswechsel brachte 1459 die Wullenstetter Linie der Grafen von Kirchberg die Grafschaft wieder an sich, veräußerte sie aber 1498 an Herzog Georg von Bayern. Mit Graf Philipp starb 1510 das Haus Kirchberg aus. Die Grafschaft gelangte 1504 an König Maximilian, der sie 1507 als österreichisches Lehen um 50 000 Gulden an Jakob Fugger verkaufte. Die Fugger wurden bald in den Grafenstand erhoben und Kirchberg blieb im Besitz der Raimund‘schen Linie bis zur Mediatisierung und dem Übergang an Bayern 1805. 1805 wurde die Grafschaft aufgehoben und Unter- wie Oberkirchberg fielen zunächst an Bayern und dann 1810 an Württemberg Erst mit dem 14. Jh. wird in den schriftlichen Quellen zwischen den Ortschaften Unter- und Oberkirchberg unterschieden.
Ortsteil Unterkirchberg
Das Kloster Wiblingen hatte hier schon um 1100 Besitz. Später gehörte der überwiegende Teil des Ortes dem Wiblinger Kloster. Seit 1441 unterhielt die Reichsstadt Ulm eine Zollstätte an der 1805 von den Franzosen zerstörten Illerbrücke, die den Brücken- und Wasserzoll erhob. Die Martinskirche gehörte bereits 1194 dem Kloster Wiblingen und wurde seit 1379 bis zur Säkularisation durch einen Mönch versehen. Die Pfarrei hatte früher einen sehr großen Sprengel zu dem auch Oberkirchberg gehörte, mit Ausnahme des Schlosses (bis 1819). Die katholische Pfarrkirche wurde 1517 vom Kloster Wiblingen im spätgotischen Stil erbaut, 1552 nach Verwüstungen durch Soldaten Markgraf Albrechts von Brandenburg wiederhergestellt, 1731 dann renoviert und barockisiert, Turm von 1784, Vorhalle 1913, barocke Fresken im Schiff mit Krönung Mariens von Christoph Achart, Barockmadonna, stattlicher Pfarrhof von 1763.
Ortsteil Oberkirchberg
Hier wurde Roman Sebastian Zängerle geboren (1771 - 1848): Theologieprofessor und zuletzt Fürstbischof von Seckau. Das alte Schloss, am Platz der mittelalterlichen Burg stehend, wurde 1589 durch einen Hangrutsch teilweise zerstört; direkt danach wurde ein “neues” Schloss erbaut. 1764 wurde dort das jetzt stehende Schloss vom Baumeister Bagnato erbaut. Jakob Fugger erbaute 1514 eine Schlosskapelle zum Hl. Sebastian, die 1818 zur kath. Pfarrkirche erhoben wurde. 1784 und 1789 frühklassizistisch umgestaltet, 1901 erweitert. Der Turm mit romanischen Teilen wurde 1886 erhöht. Das Kastenhaus stammt aus dem 16. Jh und diente als Lagerhaus für die Abgaben, den Zehnten der Graf-
schaft und sonstigen Gütern.
Die Weiler im Einzelnen:
Beutelreusch: 1347 Bütelrisch, 1502 Bewtelreysch. Gehörte stets zur Grafschaft Kirchberg. Kirchberger Lehen der Fülhin kamen 1386 an die Ehinger und vor 1469 an die Löw zu Ulm. Kapelle zum Heiligen Leonhard von 1763.
Buch: 1275 Buche, 1334 Buch, 1354 Buoch, 1368 Buoche (Buchenwald). Gehörte ebenfalls der Grafschaft Kirchberg, doch erwarb das Kloster Wiblingen seit dem 14. Jahrhundert Rechte und Güter und hatte im 18. Jh. die Niedergerichtsbarkeit über seine Mühle und mehrere Güter.
Oberweiler: 1617 Weyler. Gehörte den Grafen Fugger.
Mussingen: 1263 Mussingen, wohl älteste Siedlungsschicht. 1263 kommt ein Ha. von Mussingen, wohl ein Ortsadliger, vor. Mussingen gehörte zur österreichischen Marktgrafschaft Burgau, doch übte Kirchberg die hohen Regalien aus. Ulmer Familien (Rottengatte, Schad von Mittelbiberach) hatten mehrere Höfe als Mannlehen. Auch das Kloster Wiblingen war begütert.
Ziegelei: Gegründet 1866 von Ulrich Geiger als Ziegelei mit Ringofen, die bis in 1970er Jahre in Betrieb war und heute als Bauhof und Wertstoffsammelstelle der Gemeinde dient.